black-footed cat in the Wuppertal-MPI 
"My wife died some weeks ago. Why??"



BESUCH IM WUPPERTALER ZOO AM 6. FEBRUAR 1991

 

Ein sehr kalter Tag (ca. -10 C), eigentlich zu kalt, um in den Zoo zu gehen. Aber Heike hatte mit dem Direktor, Dr. Schürer, irgendwann im Januar diesen Termin ausgemacht, und jetzt wollten wir es unbedingt wissen.

Die Frau an der Kasse wies uns in das Haus, das sich uns jetzt als "Zooverwaltung" offenbarte: gegenüber dem Kassenraum die Buchhaltung, ein Minibüro mit zwei Mitarbeiterinnen, die uns freundlich empfingen und uns baten zu warten, bis der Herr Direktor sein Telefongespräch beendet hätte; nach links die Tür, durch die hin und wieder die Stimme von Dr. Schürer drang, rechts ein anderer Raum, der so aussah wie ein Untersuchungsraum - für tierärztliche Untersuchungen? An der Wand des winzigen Büros hingen drei Fotos von Großkatzen im Posterformat: ein Tigerpaar, ein einzelner Tiger und ein Gepardengesicht. Die jüngere der beiden Frauen war etwas zugewandter als die ältere, die zugleich die Telefonvermittlerin machte; sie fragte nach dem Befinden bei der Kälte - vielleicht auch, weil ich noch immer mit meinem Wollkopftuch um den Kopf da saß.

In der Zeit bis zum Erscheinen des Direktors bekamen wir einiges mit. Der Zoo ist städtisch, hängt also vom Etat der Stadt Wuppertal ab. An den Seitenwänden des Büro standen dicht an dicht Ordner - Finanzielles, aber auch zum Thema Ausbildung; offenbar gibt es im Zoo eine ganze Reihe von Ausbildungsplätzen, nicht nur für Tierpfleger/innen. Schulen, Hochschulen, Institutionen besuchen organisiert den Zoo, es gibt spezielle Führungen, natürlich auch spezielle Eintrittskarten für Behinderte usw. Eine Stelle beim Aquarium scheint noch frei zu sein - offenbar hat der Zoo Probleme, trotz der nicht gerade rosigen Arbeitsmarktlage, genügend Personal zu bekommen. Mir scheint, daß die Dienstzeiten, soweit ich das bisher beobachten konnte (auch am Wochenende), und womöglich eine nicht sehr üppige Bezahlung abzuschrecken. Die Leute, die im Zoo arbeiten und die dort auch noch relativ gern arbeiten, müssen eine gehörige Portion Idealismus mitbringen. Das bestätigte später auch der wissenschaftlicher Mitarbeiter des Zoos, Herr Klös, der uns zu den Schwarzfußkatzen brachte.

Nach etwa einer halben Stunde Wartezeit hatte Dr. Schürer sein Telefonat beendet, und kurz danach kam er aus seinem Büro heraus. Wir hatten ihn noch im Januar in einer Fernsehsendung gesehen, kurz nur, aber dort wirkte er beamtenhaft. Jetzt hätte ich ihn nicht wiedererkannt, aufgrund der Erinnerung an den Fernsehauftritt. Er war recht leger angezogen (auf dem Bildschirm hingegen im Anzug, korrekt), wirkte etwas abwesend, vor allem unzugänglich - ob er wirklich unzugänglich ist, vermag ich nach der sehr kurzen Begegnung nicht zu sagen. Er gab uns beiden die Hand, fragte dann gar nicht weiter, sondern wies seinen Mitarbeiter, Herrn Klös, an, uns die Schwarzfußkatzen zu zeigen. Heike hatte also keine Gelegenheit, ihr Informationsanliegen und unser Projekt vorzustellen. Das mußten wir dann alles bei Herrn Klös loswerden, der, wie wir dann von ihm erfuhren, für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist und uns daher zunächst fragte, ob wir von der Presse seien. Dr. Schürer entließ uns also, und wir machten uns mit Klös auf den Weg.

Heike erklärte ihm, was sie bzw. uns an den E:\Work\Anna-Projekte\Sonic\status_now\blftcats\zooerfah.htmn so interessierte. Die ganze Zeit gingen sowohl er als auch sein Chef davon aus, daß wir keine Ahnung hätten, wie die kleinen Katzen aussehen - außer vielleicht von den in den Büchern veröffentlichten Fotos. Heike hatte sich offenbar so verkauft, daß sie als Ahnungslose rezipiert wurde. Nur über die Beschäftigung mit Buschmanntexten, so mußten die Leute annehmen, aufgrund ihrer intensiven Darstellung dieser Voraussetzung, sei sie auf die Schwarzfußkatzen gestoßen. Ich bin skeptisch, ob das so geschickt war. [Was hätte ich denn sonst schreiben sollen? Außerdem hatte Leyhausen gerade deswegen so interessiert reagiert!] Dieser Approach hat uns zwar relativ leicht die erste Tür geöffnet, aber anhand der Reden von Klös ist mir Verlauf des Zoobesuchs klar geworden, daß er uns zumindest anfangs nicht sonderlich für voll genommen hat. Wahrscheinlich werden Leute von der Presse mit Allgemeinheiten abgespeist. [Dem war ja auch von Schürer nichts weiter gesagt worden! Und was soll man oft oberflächlich arbeitenden Journalisten großartiges erzählen?!]

Die Gehege mit den Schwarzfußkatzen liegen etwas weiter hinter den Voliéren mit den Rabenvögeln, Käuzen, Schneeeulen. Es führt vom allgemein zugänglichen Zooweg ein schmaler Pfad dorthin - im alten Plan wurde das Haus noch als Quarantänestation ausgewiesen. Wir erfuhren, daß das Gebäude identisch ist mit dem Max-Planck-Institut von Prof. Leyhausen. Inzwischen ist ein zweiter Trakt in die unmittelbare Nachbarschaft errichtet worden; dort hat Herr Klös sein Büro, und dort haben, neben einer Reihe unterschiedlicher Tierarten (Primaten, Pudus usw.), drei arabische Falbkatzen ihre Unterkunft. [Der zweite Trakt gehörte auch schon zum MPI; deswegen auch die Anlage als Büro mit Beobachtungsmöglichkeit]

Das alte Leyhausen-Haus besteht aus einem rechteckigen Hauptteil, das Büro und Beobachtungsposten gleichermaßen ist, und einem vorgelagerten Anbauteil. Vom Büro konnte Prof. Leyhausen durch einen Einwegspiegel in den Gehegeteil sehen und so das Verhalten der Katzen und auch der dort lebenden Schwarzfußkatzen beobachten, während die Tiere den Eindruck hatten, sie seien allein - wahrscheinlicher ist wohl, nach meiner Meinung, daß sie die Anwesenheit von Leyhausen aufgrund ihres ausgezeichneten Gehörs gewußt haben. Aber sie haben sich unbeobachtet gefühlt, und das mag positiv gewesen sein für die Beobachtung - zumindest wohl für den Beobachter. [Leyhausen waren sie wohl auch halbwegs gewohnt]. Wie groß die Gehege damals waren, haben wir nicht erfragt. Heute entspricht die Größe etwa der im Kleinkatzenhaus. [Gab es auch Verbindungen zwischen den Käfigen - wie bei der Falbkatze, die ständig von einem in den anderen Käfig lief?]

Im Gehegeteil ist die Luftfeuchtigkeit sehr reduziert (angeblich maximal 20%) - feuchte Luft ist ein Hauptfeind der Schwarzfußkatzen. Die Temperatur wird konstant auf 21 C gehalten. Kühlere Temperaturen sollen den Katzen weniger ausmachen als eine höhere Luftfeuchtigkeit.

Als wir das Büro betraten, war ich überwältigt von der großen Katzenzahl. Die Kleinen rannten in ihren Gehegen umher. Ein Kater lief nervös am Gitter auf und ab; er [meckerte so Wawa-typisch mit angelegten Ohren] fauchte leicht zu uns herüber und markierte gegen die Wand. Seine Partnerin hatte sich unter einem Stein versteckt.

In allen Schwarzfußkatzengehegen sind diese Steine als Deckung, Versteck und Ruheplatz für die Tiere eingerichtet, in manchen gleich mehrere, denn zuweilen befinden sich bis zu drei (vier?) Katzen in einem Gehege. Der Boden ist mit Sand ausgestreut - Sand soll auch die Luftfeuchtigkeit niedrig halten, berichtete Klös.

Als wir später in den Gang vor den Einzelgehegen traten, gingen die Schwarzfußkatzen wieder in Deckung. Sie sind, so Klös, nicht an Besucher gewöhnt (anders als die Katzen im Kleinkatzenhaus). [Was auch der Grund dafür sei, daß man sie nicht wie Hauskatzen relativ schnell beruhigen könne - demonstrativ weg oder zu Boden schauen, Angähnen, Anblinzeln etc.]. Für eine Fotoarbeit dürfte das schwierig werden. Durch das Fensterglas des Büros nämlich kann man nur mit Teleobjektiv fotografieren, und dann dürften die Lichtverhältnisse nicht ausreichend sind, auch für einen 1600 ASA-Film, nicht, und das Glas spiegelt, weil die Fenster hinterm Rücken normalerweise ja nicht abgedunkelt sind. (Das WDR-Team hatte eine komplette Abdunklung - und benötigte im übrigen einen ganzen Drehtag für eine Kurzsequenz mit einer Schwarzfußkatze.) Ich will sehen, wenn ich nochmal hinfahre, um richtig zu fotografieren, mir praktisch mindestens einen ganzen Tag Zeit zu nehmen - zunächst einmal ganz ohne Fotoapparat (vielleicht setze ich mich einfach hin, lese, schreibe, beobachte, erst später könnte ich den Apparat herausholen, aber ohne ihn sofort einzusetzen). Die Kleinen beruhigten sich relativ schnell - auf die auf sie gerichtete Kamera reagierten sie jedoch noch ausgesprochen scheu, die meisten verschwanden wieder unter ihrem Stein, guckten hervor oder waren kaum noch zu sehen. Ein paar - die ich dann fotografierte - waren mutiger - oder neugieriger als die anderen. Neugierig schienen mir fast alle zu sein.

Nach dem, was Klös erzählte, ist in dem alten Max-Planck-Institut nicht viel los: Die beiden wissenschaftlichen Angestellten - er und sein Kollege - verbringen eine gewisse Zeit in ihren Büros, die übrigen bei Rundgängen durch den Zoo und mit Arbeiten in der Verwaltung bzw. mit Besuchern. Auf zwei Stunden täglich bezifferte Klös diese Zeit - nur dann sei es möglich, die Katzen zu beobachten. Eine systematische Beobachtung, wie Leyhausen sie angestellt hat, gibt es in Wuppertal nicht (mehr). Es gibt ebensowenig Veröffentlichungen zu Schwarzfußkatzen, die über das hinausgingen, was Leyhausen zu ihnen geschrieben hat. Die meisten anderen Veröffentlichungen, die mehr bringen, basierten nicht auf gesicherten Beobachtungen, seien spekulativ bzw. hypothetisch - oder schlicht unseriös.

Heike trug eine der Buschmanngeschichten vor, um bestimmte darin geschilderte Verhaltensweisen und Ereignisse von und mit den Schwarzfußkatzen zu präsentieren, die mit der Empirie der realen Tiere verglichen werden sollen. Klös erwies sich dabei als eher erstaunter, eventuell auch verwirrter Zuhörer. Immerhin hat er - er hat sich als Biologe und Ethologe bezeichnet - zugegeben, daß die Beobachtungen ansässiger Ursprungsvölker oft sehr zuverlässig seien, daß sie aber selten weitergegeben, geschweige denn schriftlich aufgezeichnet würden. Die Beobachtungen später eingewanderter Völker (auch der Europäer) seien hingegen in der Regel unzuverlässig, auf bestimmte Erwartungen (oft eben auch europäische Kategorien) abgestellt, denen das vermeintlich Beobachtete immer mehr angeglichen werde, um sie letztlich zu erfüllen. Bei den Buschmännern könnte es sich demnach um ziemlich authentische Aussagen über die realen Schwarzfußkatzen handeln. [Leyhausen war ja geradezu begeistert davon...].

Was Klös über sie wußte, war wirklich wenig bzw. ging kaum über die angelesenen Thesen von Leyhausen hinaus. Oder bezeichnete sich als inkompetent, verwies auf die äußerst geringe Zahl von Veröffentlichungen - zuerst wußte er nicht, daß Dr. Schürer zwei Aufsätze publiziert hatte, dann doch, er hatte nämlich eine Literaturliste gefunden, in der sie aufgeführt waren, und dann wollte er sie sogar fotokopieren und uns zuschicken (aber das muß man erstmal abwarten). Vielleicht war er in Gedanken schon in Urlaub, den er antreten wollte. Und er wurde nicht müde zu betonen, wie wenig Zeit er habe, wie wenig Geld er verdiene und daß er allenfalls nachts an seiner Diss. schreibe könne - das Familienleben leide auch. Er verwies uns an einen Peters, Assistent von Prof. Leyhausen, der jetzt in Bonn im Museum König arbeite. Auf ihn war er gekommen, als Heike von der stimmlichen Eigenart der Schwarzfußkatzen erzählte. Klös war ziemlich überrascht, so als hätte er selbst das nicht mitbekommen. Peters hat über die Akustik von Tierstimmen gearbeitet, u.a. auch der Schwarzfußkatze. Auch der Tierfänger in Südafrika, der die Schwarzfußkatzen einfängt, kommt als Informant in Frage (sic!). Als ich A. Rasa erwähnte, erfuhren wir, daß die derzeit in Südafrika eine Professur auf Zeit habe und u.U. auch etwas wissen könne. Alles letztlich vage Verweise. [Die Erzählung vom saxicola castor, einem Schrepfer(?), deutete er als ganz gewöhnliches Hassen auf Raubfeinde. Metakommunikation, speziell Warngemeinschaften, meint er als bloße Aufmerksamkeit auf ungewöhnliche Wahrnehmungen erklären zu können].

Zwischenzeitlich waren wir im Büro von Klös, bei den Falbkatzen, die weniger ängstlich waren. In diesem Teil sind, wie schon erwähnt, eine Reihe Tiere anderer Arten untergebracht, und es scheint mehr Betrieb zu sein. Als wir ankamen, waren mehrere Tierpfleger in der Zuchtstation - merkwürdigerweise keine Frauen. Klös suchte nach dem Leyhausen-Aufsatz über Katzen in Grzimeks Enzyklopädie, dann holte er die Adresse von Peters heraus. Wir erfuhren, daß es 23 Exemplare der Falbkatzen in Menschenhand gibt, alle stammen von einem Paar ab. Wieviele der erst vor 20 Jahren entdeckten Unterart der Falbkatze in der freien Natur leben, ist offenbar unbekannt. Diese seien durch die von Füchsen verbreitete Tollwut in Qatar bedroht. - Klös wußte über die Falbkatzen mehr als über die Schwarzfußkatzen.

Auf dem Rückweg zum Verwaltungsgebäude kam von mir die Frage nach der hohen Mortalitätsrate. 1989 seien viele Schwarzfußkatzen an Salmonellen gestorben - laut Zuchtbuch nur eine. Ursache seien möglicherweise die Eintagsküken gewesen, die die Tiere damals noch erhielten - 1989 haben wir, als wir im Wuppertaler Zoo waren, nur Mäuse als Futter gesehen; zumindest in der zweiten Jahreshälfte stimmt das mit den Küken womöglich nicht mehr (einige Fotos belegen das, sie zeigen, daß wir nur Mäuse-Futter gesehen haben).


72 F Wu42 Nr51 05.06.84 Wu ? ? 18.03.89 Wu: Nasen/Luftröhrenkatarrh; Salmonellen


Alle anderen 1989 verstorbenen Schwarzfußkatzen hatten laut Zuchtbuch mehrheitlich Nierenkrankheiten als Todesursache. Nach Absetzen der Küken habe das Sterben aufgehört, jetzt habe es wieder angefangen, so Klös. Man habe keine Ursachen gefunden, obwohl man virologisch usw. alles durchgecheckt habe. Auch die Lebensbedingungen hätten sich nicht verändert, so daß auch von der Umgebung her nichts als Ursache in Frage käme.

Am 1.1.90 lebten 19 Schwarzfußkatzen in Wuppertal - am 31.12.86 waren es noch 29. Für eine Zucht, die auf Vermehrung des Bestands aus ist, ist diese Negativbilanz erschreckend. Ich glaube, daß die Schwarzfußkatzen nicht nur "heikle Pfleglinge" sind, wie der Zooführer Frankfurt meint, sondern daß sie aufgrund der Gefangenschaft anfangen, sich aufzugeben. [Was ja auch bei den Buschleuten der Fall ist, die ihre eigene Lebensform nicht mehr aufrechterhalten können - warum das wohl bei anderen Tieren und Menschen nicht so ist?].

Bei dem Gespräch mit Klös hatte ich den Eindruck, daß das Einzelschicksal einer Katze für Zoologen weitaus weniger zählt als für uns beide. Man kann das nicht mit Zeitmangel entschuldigen - der Zeitmangel hat Methode: In einem Zoo wie dem Wuppertaler befinden sich sehr viele Tierarten und Tiere, von wenigen Leuten mit relativ wenig Geld sollen sie am Leben erhalten werden. Der Zweck der Tierhaltung ist m.E. weniger uneigennützig - wie immer behauptet - als vielmehr Schau. Arterhaltung als Zielsetzung, wenn die Todesrate die Geburtenrate übersteigt, ist ein Witz: Es ist etwas faul an dem Konzept. Was die Schwarzfußkatzen anlangt, frage ich mich, welches Ziel anvisiert wird. Sollen die Kleinen "ausgewildert" werden? Wenn ja, unter welchen Bedingungen? Oder sind sie Verhandlungsmasse für den Erwerb anderer Tiere?

[dafür kann man aber nicht Klös die Schuld geben und auch nicht Schürer, die können ja nichts dafür, daß sie mit finanziellen Mitteln so knapp gehalten werden. Daß Leyhausen sich so für Wawas interessierte, war - traurig das so sagen zu müssen - eher ein glücklicher "Zufall". Die ganze "Zucht" hing damit aber zu sehr an seiner Person. Inzwischen ist der Zoo aber durch die vielen Todesfälle eindeutig in der "Defensive". "Verhandlungsmasse" für Tauschgeschäfte - die dem Zuchtbuch nach auch gar nicht so häufig sind - können die Kleinen schon alleine deshalb wohl kaum sein.]

Wir waren nach dem offiziellen Teil noch oben im Kleinkatzenhaus. Der kleine Schwarzfußkater war diesmal sehr zugänglich. Es waren so wenige Leute da, daß wir die meiste Zeit allein in dem Haus waren. Eine der beiden Goldkatzen hatte sich erkältet und nieste oft. Die Salzkatzen konnten nach draußen - sie blieben aber drinnen.

Im Kleinkatzenhaus haben die Schwarzfußkatzen keine Vorrichtung, mit der die Luftfeuchtigkeit gering gehalten wird. Der kleine Kater hatte allerdings eine Heizsonne - immerhin waren mehrere Öffnungen auf, und dann kam hin und wieder jemand durch die Tür.

Der Kater kam neugierig an, als der letzte Mann den Raum verlassen hatte, denn er wollte sehen, was Heike aus ihrer Tasche holte. Neugieriges Maunz! Da schaute das Wawa heraus. Es war ein Schauspiel, wie der Kleine, der anfangs noch relativ scheu war, auch wenn er immer wieder an die Scheibe lief, seine Furcht verlor und sogar sein Pfötchen unter dem Glas durchschob, um Heikes Finger zu fassen - anfangs mit leicht herausgezogener Kralle, beim zweitenmal ohne Kralle.

Ich habe den Eindruck, daß Katzen - wie auch Affen /Menschenaffen - im Zoo, in Gefangenschaft also, sich Kontakt zu Menschen wünschen. Nicht im Sinne durchgeknallter Zoobesucher, die überhaupt keinen Zugang zu Tieren haben und in ihrer anthropozentrischen Arroganz sich so verhalten, wie sie glauben, daß Affen sich verhalten. Sondern normal - indem wir die Tiere ernstnehmen. Möglicherweise ließe sich so manche Haftpsychose von Zootieren vermeiden oder sogar überwinden. Die Tiere mögen zwar nicht so menschenbezogen sein wie die "pets", aber sie sind auf jeden Fall menschenbezogen. Sie haben in einem Maße Menschen um sich, das sie in ihrer natürlichen Umgebung nicht kennen. Sie können hier keinen Instinkt für die nötige Fluchtdistanz entwickeln (bzw. verlieren ihn), und es dürfte sehr schwierig sein, sie auszuwildern - denn dann benötigen sie dringend den Sinn für die richtige Distanz zu den Menschen, den größten Feind aller nichtmenschlichen Lebewesen. Diese Feindschaft wird den Zootieren letztlich systematisch ausgetrieben - wenn auch nicht dezidiert, so jedoch im Resultat. Menschen sind allgegenwärtig, als Tierpfleger, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Tierarzt, Besucher. Mit den Besuchern haben sie natürlich am meisten zu tun, rein quantitativ, allerdings lernen sie die wenigsten von ihnen näher kennen. Die Tierpfleger, die sie kennen, können sich nur wenig um sie kümmern - möglicherweise haben die auch kein so großes Interesse daran. Die Zoologen und Ethologen (wie Herr Klös) sind mit ihrer Zeit noch schlechter dran, weil zwei, drei Personen sich praktisch den gesamten Zoo teilen müssen.

[Ich möchte das mit dem Anthropozentrismus etwas relativieren. Alle Wesen sind natürlich in ihrer "Art" gefangen. Aber die Menschen sind die einzigen, die meinen, es sich leisten zu können, sich darin zu verbarrikadieren, sich zum Maßstab aller Dinge zu machen. Die Zootiere lernen nun aus Erfahrung, keine existenzielle Angst vor (allen) Menschen haben zu müssen. Schlimm ist in Hinblick auf Ideen wie "Auswilderung" auch, daß sie keinerlei "Lebenserfahrung" in einer ihrer Heimat auch nur halbwegs entsprechend en Umgebung sammeln können.]

Deadly ill black footed cat

 

Anmerkungen zu den Informationen über Schwarzfußkatzen:

Es gibt nur weniges. Gesichert sind die Aussagen über die Physiologie, Körperlänge, Kopfform, Fellfärbung usw. Aber selbst die Angabe des Höchstalters (im Zooführer Wuppertal steht sogar 14 Jahre) ist höchst fragwürdig, denn in Wirklichkeit sterben sie meistens wesentlich früher. Nur wenige Methusalems werden tatsächlich an die 14 Jahre alt. Die Zahl 14 weckt falsche Vorstellungen.

Dann gibt es einiges über die Aufzucht und Haltung von Schwarzfußkatzen, aber ob das alles so auch für die freie Natur stimmt, müßte erst einmal empirisch nachgeprüft werden.

Leyhausen hat viele seiner Aussagen über Schwarzfußkatzen letztlich nur aufgrund seiner Beobachtungen im Wuppertaler MPI gemacht. Sehr wenig. Beispiel: "Auch die im Vergleich zu ihrer Kleinheit gewaltige Stimme dürfte damit zusammenhängen, daß die Schwarzfußkatzen einzeln und weit verstreut leben. Sie dürfen die Fühlung mit der Nachbarschaft ja doch nicht ganz verlieren und müssen sich bei Bedarf auch wieder gegenseitig auffinden können. Die Stimme ist hier sicher geeignet."

 

BESUCH IN WUPPERTAL 17. März 1991

Gestern waren wir wieder bei den Schwarzfußmaunzels im Wuppertaler Zoo. Herr Kloes ließ uns im Gang vor den Käfigen arbeiten, ich mit der Spiegelreflex. Es wurde eine schwierige Sache.

Bei unserer Ankunft war noch der Tierpfleger, ein bärtiger Mann mit Pudelmütze, der Herr Schmidt, bei der Arbeit und machte die Käfige sauber. Vom Büro mit seinen verglasten Wänden aus konnte ich ein paar Teleaufnahmen machen in die geöffneten Gehege hinein. - Vorher in seitliches Gehege: erst ängstliche Reaktionen, dann auch Neugier - Eins der Schwarzfußpaare hatte ein Junges (*19.2.), das für einige Augenblicke aus der Steinhöhle hervorgekommen war.

Später ging es dann in den Gang; die Katzen hatten Angst, verschwanden unter ihren Steinen, einige fauchten aus der Deckung hervor. Es dauerte lange, bis sich die eine oder der andere heraustraute, langsam, wahrscheinlich aus Neugier. Die einzige Katze, die sehr zutraulich war, war von Menschenhand aufgezogen und - so erfuhren wir - schwer krank, so sehr, daß sie sterben soll.

Die Schwarzfußkatzenzucht scheint mir mit vielen Fragezeichen versehen zu sein. Keine der Katzen, die wir im Kleinkatzenhaus gesehen hatten, war da - entweder woanders untergebracht oder gestorben. Keine zwei Jahre ist es her, da waren wir das erste Mal im Wuppertaler Zoo, und jetzt ist es, als habe jemand mit der Sense zwischengelangt.

Ein paar Beobachtungen:

geradezu spiegelnder Augenhintergrund!

Das Schwarzfußjunge lugte hervor, fauchte, wenn auch leise, und "knallte" als Auftakt zum Fauchen - womit, ist mir noch ein Rätsel (mit den Stimmbändern!) - als ob ein Metalldeckel auf eine Dose fiele oder ein Sektkorken "knallte". Mit diesem "Haß" sollen potentielle Feinde vertrieben werden. Die Kleine ließ sich darin aber nicht von ihren Eltern beruhigen, die unsere Anwesenheit offensichtlich etwas gelassener hinnahmen.

Eine Katze spielte mit einer der Futtermäuse, wie die Tine mit ihrer Fellmaus spielt, warf sie hoch, um sie mit der Pfote aus der Luft herauszugreifen.

Neugierige Katze, die sich an der Glastür hochstellte, um zu gucken, wer wohl da zu Besuch gekommen ist - die beiden, deren Gehege direkt neben dem Büro liegt und nicht vom Gang her unmittelbar zugänglich ist, kamen mir vernachlässigt vor. Wie sie guckten, wenn ich stand (und nicht auf dem Hintern herumruschte), um sie zu sehen. Zwei Kleine, die Köpfchen dicht an dicht, so guckten sie herüber.

Das eine Katzenpaar, mit der kranken Kätzin, erst pinkelte sie gegen die Wand, dann kam er, setzte sich breitbeinig über den im Sand versickerten See und setzte seins drauf.
    

So sieht es im Schwarzfusskatzenhaus aus:

heike-at-the-MPI-for-behavioral-physiology

BESUCH IN WUPPERTAL 31. Juli 1991

Obwohl anfangs ganz nett Breughel im MPI war (Reinemachen, Füttern, Arbeiten an einer neuen Fußbodenheizung) hat Anna in Rekordzeit mehr als zwei Filme vollgekriegt. Anscheinend haben sich viele noch an uns erinnert. Allerdings auch das kleine "Knallemaunz", das nun alleine im hinteren rechten Käfig unterm Stein saß und nicht 'rauskam...

Wo letztes Mal noch meine Schwester war, die vor etwa 4 Wochen gestorben war, waren nun zwei kleine Maunzels, wovon eine erst zaghaft, dann doch sehr leidenschaftlich mit mir spielte.

Another black-footed cat in the Wuppertal-MPI

"Don't forget us!"

 O-Ton von zwei Schwarzfußkatzen

 Kurzfilm, 2003 im Zoo Wuppertal gedreht (5,5 MB/ mpeg)
  Die Schwarzfußkatze bewegt sich in ihrem Außengehege im Kleinkatzenhaus


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Last update: 15.07.2008