Im Jahr des Drachen

oder: Wie aus einer Zeitungs-Ente eine Peking-Ente wurde

Peking will fliegenfrei werden

 PEKING, 7. September (AP). Schlechte Zeiten für die Frucht-, Schmeiß- und Stubenfliegen in Peking: Die Behörden der chinesischen Hauptstadt haben mit Blick auf die Bewerbung für Olympia 2000 eine Kampagne zur "Mobilisierung der Massen für eine fliegenfreie Stadt" eingeleitet. In den nächsten zwei Jahren solle jeder Fliege der Garaus gemacht werden, fordert seit Tagen die staatliche Presse.
 Mit dem revolutionären Eifer geschulter Genossen verteilten 3000 Studenten und Dozenten von 41 Universitäten Flugblätter mit strategischen Anweisungen zur Bekämpfung des neuen Feindes. 130 Tonnen Pestizide wurden angeschafft, die Pförtner und Liftboys in den Vorzeigegebäuden Pekings haben sich mit Fliegenklatschen bewaffnet. Als Hauptursachen der Fliegenplage gelten mangelnde Hygiene auf den öffentlichen Toiletten, wilde Müllkippen und die Unsitte, auf den Boden zu spucken.


Fliegen wollen chinesenfrei werden

 PEKING, 7. September (AP). Schlechte Zeiten für Chinesen in Peking: Tausende von Fliegen protestierten auf einer unangemeldeten Demonstration in der verbotenen Stadt gegen die von den Chinesen angerichtete ökologische Katastrophe, die mit den jüngsten Pogromen an den Pekinger Fliegen einen grausamen Höhepunkt fand. "China den Fliegen, Schlitzaugen raus!" skandierte die aufgebrachte Menge.
 Auf die Frage, was sie gegen die Chinesen unternehmen wollten, erklärte ein Sprecher der Fliegenbewegung: "Nichts. Wir werden den Feind seine 130 Tonnen Pestizide auf seine eigene Stadt abwerfen lassen. Das reicht aus für einen 13-fachen Overkill an der Bevölkerung im Großraum Peking." Sollten Friedensgespräche ohne konkrete Ergebnisse bleiben, werden im Jahr 2000 wahrscheinlich die Fliegen der Welt in einem chinesenfreien Peking die erste grün-alternative Olympiade feiern können.

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